Erich Auerbach: “Everything is provisional”

Berlin-born Romance philologist, literary and cultural scholar Erich Auerbach (1892-1957), now considered the founder of the discipline of comparative literature thanks to Palestinian postcolonial thinker, literary scholar, and also exile Edward Said (1935-2003) 11Edward Said, “Introduction to the Fiftieth Edition,” in Erich Auerbach, Mimesis: The Representation of Reality in Western Literature – New and Expanded Edition (Princeton: Princeton University Press, 2013) is probably the most famous of the German academics and their families who fled Nazi Germany to the young Turkish Republic after 1933. After the end of the war, Auerbach’s status in Turkey changed: everything was suddenly very provisional again.

    Footnotes

  • 1Edward Said, “Introduction to the Fiftieth Edition,” in Erich Auerbach, Mimesis: The Representation of Reality in Western Literature – New and Expanded Edition (Princeton: Princeton University Press, 2013)

Prof. Dr. E. Auerbach

Istanbul-Bebek

Arslanli Konak

Dr. Martin Hellweg

Lindenstr. 17

Fulda

U.S. Zone Hessen

Germany

22.6.[19]46

Lieber Hellweg,

Ich habe mich sehr gefreut[,] dass Sie alles intakt überstanden haben. Von den deutschen Zuständen kann ich mir trotz aller Berichte und Briefe nur schwer eine Vorstellung machen; hätte ich etwas Bewegungsfreiheit (aber ich habe weder Pass noch Geld)[,] so würde ich versuchen[,] eine Erkundungsfahrt zu unternehmen, aber so ist es ganz unmöglich. Dagegen scheint es möglich überhaupt zurückzukehren, da ich höre[,] dass mich die Marburger wiederberufen wollen; und Krauss rät energisch das anzunehmen, im Gegensatz zu allen anderen, die zu diesem Problem im allgemeinen Stellung nehmen. Es wäre eine schwere Entscheidung, wenn mir die Umstände Freiheit zu einer schnellen Entscheidung liessen; aber es wird, selbst wenn die offizielle Berufung bald erfolgte, vermutlich sehr lange dauern[,] bis ich mich von hier loslösen könnte, und bis dahin werden sich die Verhältnisse wohl etwas geklärt haben. Jedenfalls glaube ich, dass man etwas Geduld haben muss mit der Zähflüssigkeit der Deutschen und ihrem Festhalten am Schein der Bürgerlichkeit. Bürgerlichkeit ist ja nicht nur eine politische Haltung, sondern ein menschliches Bedürfnis, und auch die aus revolutionären Ereignissen hervorgegangene Gesellschaft strebt schleunigst nach einem Alltag mit Sicherheit und gewohnter Ordnung. Nach drei Jahrzehnten so ungeheuerlicher Experimente, nach diesem Ende, und in dem gegenwärtigen Zustand können die Deutschen nichts anders sein als schrecklich müde und ruhebedürftig, ohne das Ihnen doch vorläufig Aussicht auf Ruhe geboten wird.

Krauss’ Gesundheitszustand macht mir viel Sorge, vermutlich braucht er eine viel bessere Ernährung um sich zu erholen; einige Freunde und ich bemühen uns[,] Pakete an ihn gelangen zu lassen 11Gemeint sind die physischen und psychischen Gesundheitsschäden, die Werner Krauss in der Gestapo-Haft erlitt. Von 1931 bis 1940 war Krauss zunächst Lehrkraft und dann Dozent an Erich Auerbachs Romanischen Seminar an der Universität Marburg. 1940 wurde er als Dolmetscher nach Berlin einberufen. Dort kam er in Kontakt mit John Rittmeister, den er seit 1926 kannte. Rittmeister hatte enge Beziehungen zu Harro Schulze-Boysen und nahm an der Arbeit der Widerstandsgruppe “Roten Orchesters” teil. Bei vielen Gelegenheiten unterstützte er ihre illegalen Aktivitäten, so zum Beispiel bei der Flugblattaktion vom 17./18. Mai 1942 gegen die NS-Propagandaausstellung “Das Sowjetparadies”. Werner Krauss wurde am 24. November 1942 verhaftet und am 18. Januar 1943 zum Tode verurteilt. Durch die Vorlage mehrerer psychologischer Gutachten gelang es ihm, eine Wiederholung seines Prozesses zu erreichen. Er wurde am 14. September 1944 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und konnte im Frühjahr 1945 aus dem Gefängnis fliehen. 1945 wurde Krauss Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Obwohl er in Marburg wieder eingestellt und zum ordentlichen Professor befördert wurde, fand er in der Universität immer noch Nazi-Sympathisanten vor; sein Antrag auf Entschädigung wurde abgelehnt und sein Buch mit Aufsätzen von der US-Militärverwaltung verboten. So siedelte er 1947 in die Sowjetische Besatzungszone um und wurde Lehrstuhlinhaber des Romanischen Instituts an der Universität Leipzig. Siehe: “Werner Krauss,” Gedenkstätte Deutscher Widerstand, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss und die Romanistik im NS-Staat (Argument Verlag: Hamburg 1996).; von hier aus geht alles leider entsetzlich mühselig und langsam. Was ist aus den übrigen Genossen des einstigen romantischen Stabes geworden? Wissen Sie etwas von Honsberg 22Eugen Honsberg, geb. 1906, deutscher Germanist und wahrscheinlich an der Ostfront gefallen., Blackert 33Hermann Blackert, deutscher Romanist, der unter Auerbach promivierte. Er fiel im Krieg gegen die Sowjetunion., Janik 44G. Janik war als außerplanmäßiger Assistent Auerbachs mit der Durchführung der italienischen Sprachkurse betreut., Viebrock 55Helmut Viebrock (1912–1997), deutscher Anglist?

Uns ist es wider jede Wahrscheinlichkeit gut gegangen; die neue Ordnung drang nicht bis zu den Meerengen; damit ist eigentlich alles gesagt. Wir haben in unserer Wohnung gelebt und nichts erlitten als kleine Unbequemlichkeiten und Furcht: bis Ende 42 sah es sehr böse aus, aber dann verzog sich die Wolke allmählich. Unser Sohn Clemens 66Clemens Auerbach (1923–2002) promovierte 1951 in Chemie an der Harvard Universität und war von 1953–1956 Assistenzprofessor der University of Buffalo; danach Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der analytischen Chemie, speziell auf dem Gebiet der Sicherung nuklearen Materials am Brookhaven National Laboratorium, N.Y. hat das hiesige amerikanische College besucht, und dann haben wir einige Jahre gearbeitet, um ihn als Immigrant nach USA zu schicken; eine andere Möglichkeit gab es nicht. Schliesslich ist es gelungen, und seit einem Jahr studiert er in Harvard Chemie; die Trennung war etwas bitter, besonders für meine Frau, denn die Aussichten in absehbarer Zeit wieder zusammentreffen [handschriftliche Anfügung am unteren Blattrand: sind ganz unsicher]. Ich habe eine Menge gearbeitet, trotzdem mir die wichtigsten Bücher fehlten; Sie werden wohl mit der Zeit einiges davon zu Gesicht bekommen; bisher ist noch wenig gedruckt, aber in diesem Herbst soll mehreres auf einmal erscheinen. Sehr neugierig bin ich auf Krauss’ letzte Schriften, aber noch scheinen Drucksachen nicht zugelassen zu sein. Wollen Sie mir nicht etwas Näheres über Ihre eigene Produktion mitteilen, auch wenn sie nicht romanistisch ist? Sind Sie eigentlich in Verbindung mit Borkenau 77Franz Borkenau (1900–1957), deutscher Soziologe und Historiker, war im Exil in Paris, Spanien und Panama und von 1945 bis 1947 Professor für Geschichte in Marburg., der ja in Marburg gelandet ist? Und bei welcher Gelegenheit haben Sie in der Frankfurter Universität gesprochen? Wissen Sie zufällig wie es dem dortigen Romanisten Erhard Lommatzsch 88Erhard Lommatzsch (1886–1975), deutscher Romanist and Mediävist, Auerbachs Doktorvater. geht? – Unter den vielen Annehmlichkeiten unseres hiesigen Unterstandes (Löwith 99Karl Löwith (1897–1973), Philosoph, habilitierte 1928 bei Martin Heidegger in Marburg. Exil: Von 1934 bis 1936 mit einem Rockefeller-Stipendium in Rom, von dort auf Einladung Leo Spitzers auf Vortragsreise nach Istanbul, um Chancen für eine Professur zu sondieren. 1936 emigrierte er nach Japan, wo er bis 1941 Professor der Philosophie an der Kaiserlichen Tohoku-Universität in Sendai war. 1941 emigrierte Löwith in die Vereinigte Staaten, wo er bis 1949 als Professor der Religionsphilosophie und -geschichte am Hartford Theological Seminary, Conn., und von 1949 bis 1952 an der New School for Social Research in New York tätig war. Er kehrte 1952 nach Deutschland zurück und lehrte bis zu seiner Emeritierung 1964 in Heidelberg Philosophie. schrieb mir einmal, noch von Japan: herzliche Grüße von Dach zu Dach) ist eine der wichtigsten, dass wir sie mit einer ganzen Anzahl von Schicksalsgenossen teilen, Emigranten der verschiedensten Kategorien, meist auch an der Universität, darunter sehr gescheite und sympathische. Es ist uns wirklich nicht schlecht gegangen, nur dass wir ziemlich arm geworden sind; Reserven habe ich damals nicht herausbringen können, das Gehalt 1010Laut Vertragsvereinbarungen vom 19.8.1936 mit Cemil Bilsel, dem Rektor der Universität Istanbul, erhielt Auerbach ein Monatsgehalt von 450 türkischen Pfund, siehe: Staatsarchiv Marburg, Sign. 310, Acc. 1978/15, No. 2261 ist sehr entwertet, und Clemens’ Expedition und Studium drüben ist auch eine finanziell schwierige Unternehmung, sodass allmählich alle Wertgegenstände draufgehen, selbst ein Teil meiner Bücher. Aber das sind bourgeoise Sorgen… Türken sind wir nicht geworden, nicht einmal rechtlich, jetzt sind wir wieder “passlose Deutsche”; alles ist provisorisch. An der Universität haben wir wohl einiges erreicht, aber längst nicht so viel als möglich gewesen wäre; die unsichere und oft dilettantische Politik der Verwaltung erschwert das Arbeiten sehr, wobei zuzugeben ist, dass sie es nicht leicht hat; ich habe hier gelernt, wie schwer es ist[,] ein nicht europäisches land in kurzer Zeit zu europäisieren; die Gefahr der praktischen und moralischen Anarchie ist sehr groß.

So, nun schreiben Sie bald wieder. Meine Frau grüsst herzlich, und ich bin mit den besten Wünschen für Sie und die Ihrigen.

Ihr Erich Auerbach

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  • 1Gemeint sind die physischen und psychischen Gesundheitsschäden, die Werner Krauss in der Gestapo-Haft erlitt. Von 1931 bis 1940 war Krauss zunächst Lehrkraft und dann Dozent an Erich Auerbachs Romanischen Seminar an der Universität Marburg. 1940 wurde er als Dolmetscher nach Berlin einberufen. Dort kam er in Kontakt mit John Rittmeister, den er seit 1926 kannte. Rittmeister hatte enge Beziehungen zu Harro Schulze-Boysen und nahm an der Arbeit der Widerstandsgruppe “Roten Orchesters” teil. Bei vielen Gelegenheiten unterstützte er ihre illegalen Aktivitäten, so zum Beispiel bei der Flugblattaktion vom 17./18. Mai 1942 gegen die NS-Propagandaausstellung “Das Sowjetparadies”. Werner Krauss wurde am 24. November 1942 verhaftet und am 18. Januar 1943 zum Tode verurteilt. Durch die Vorlage mehrerer psychologischer Gutachten gelang es ihm, eine Wiederholung seines Prozesses zu erreichen. Er wurde am 14. September 1944 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und konnte im Frühjahr 1945 aus dem Gefängnis fliehen. 1945 wurde Krauss Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Obwohl er in Marburg wieder eingestellt und zum ordentlichen Professor befördert wurde, fand er in der Universität immer noch Nazi-Sympathisanten vor; sein Antrag auf Entschädigung wurde abgelehnt und sein Buch mit Aufsätzen von der US-Militärverwaltung verboten. So siedelte er 1947 in die Sowjetische Besatzungszone um und wurde Lehrstuhlinhaber des Romanischen Instituts an der Universität Leipzig. Siehe: “Werner Krauss,” Gedenkstätte Deutscher Widerstand, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss und die Romanistik im NS-Staat (Argument Verlag: Hamburg 1996).
  • 2Eugen Honsberg, geb. 1906, deutscher Germanist und wahrscheinlich an der Ostfront gefallen.
  • 3Hermann Blackert, deutscher Romanist, der unter Auerbach promivierte. Er fiel im Krieg gegen die Sowjetunion.
  • 4G. Janik war als außerplanmäßiger Assistent Auerbachs mit der Durchführung der italienischen Sprachkurse betreut.
  • 5Helmut Viebrock (1912–1997), deutscher Anglist
  • 6Clemens Auerbach (1923–2002) promovierte 1951 in Chemie an der Harvard Universität und war von 1953–1956 Assistenzprofessor der University of Buffalo; danach Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der analytischen Chemie, speziell auf dem Gebiet der Sicherung nuklearen Materials am Brookhaven National Laboratorium, N.Y.
  • 7Franz Borkenau (1900–1957), deutscher Soziologe und Historiker, war im Exil in Paris, Spanien und Panama und von 1945 bis 1947 Professor für Geschichte in Marburg.
  • 8Erhard Lommatzsch (1886–1975), deutscher Romanist and Mediävist, Auerbachs Doktorvater.
  • 9Karl Löwith (1897–1973), Philosoph, habilitierte 1928 bei Martin Heidegger in Marburg. Exil: Von 1934 bis 1936 mit einem Rockefeller-Stipendium in Rom, von dort auf Einladung Leo Spitzers auf Vortragsreise nach Istanbul, um Chancen für eine Professur zu sondieren. 1936 emigrierte er nach Japan, wo er bis 1941 Professor der Philosophie an der Kaiserlichen Tohoku-Universität in Sendai war. 1941 emigrierte Löwith in die Vereinigte Staaten, wo er bis 1949 als Professor der Religionsphilosophie und -geschichte am Hartford Theological Seminary, Conn., und von 1949 bis 1952 an der New School for Social Research in New York tätig war. Er kehrte 1952 nach Deutschland zurück und lehrte bis zu seiner Emeritierung 1964 in Heidelberg Philosophie.
  • 10Laut Vertragsvereinbarungen vom 19.8.1936 mit Cemil Bilsel, dem Rektor der Universität Istanbul, erhielt Auerbach ein Monatsgehalt von 450 türkischen Pfund, siehe: Staatsarchiv Marburg, Sign. 310, Acc. 1978/15, No. 2261

Prof. Dr. E. Auerbach

Istanbul-Bebek

Arslanli Konak

Dr. Martin Hellweg

Lindenstr. 17

Fulda

U.S. Zone Hesse

Germany

22.6.[19]46

Dear Hellweg,

I was very pleased to hear that you survived everything. In spite of all the reports and letters, it is difficult for me to form an opinion about the German conditions; if I had some freedom of movement (but I have neither passport nor money) I would try to make a exploratory trip, but it is quite impossible. On the other hand, it seems possible to return, since I hear that the Marburgers want to call me back; and Krauss energetically advises accepting this, in contrast to all others who take a general stand on this problem. It would be a difficult decision if circumstances afforded me the freedom to make a quick decision; but it will probably be a very long time, even if the official appointment was made soon, before I could break away from here, and by then circumstances will probably have cleared up somewhat. In any case, I believe that one must have some patience with the tenacity of the Germans and their clinging to the appearance of civility. After all, civility is not just a political attitude, but a human need, and even the society that emerges from revolutionary events is eagerly striving for an everyday life with security and familiar order. After three decades of such monstrous experiments, after this end, and in the present state, the Germans can be nothing but terribly tired and in need of rest, without any prospect of rest being offered to them for the time being.

Krauss’s state of health worries me a lot, probably he needs a much better diet to recover; some friends and I are striving to let packets get to him 11Meant are the physical and mental health damages Werner Krauss suffered in Gestapo custody. From 1931 to 1940, Krauss was a teacher and then a lecturer at Erich Auerbach’s Romance Seminar at the University of Marburg. In 1940 he was called up to Berlin as an interpreter. There he came into contact with John Rittmeister, whom he had known since 1926. Rittmeister had close relations with Harro Schulze-Boysen and participated in the work of the “Red Orchestra” resistance group. On many occasions he supported their illegal activities, for example, in the leaflet action of May 17-18, 1942, against the Nazi propaganda exhibition “The Soviet Paradise.” Werner Krauss was arrested on November 24, 1942, and sentenced to death on January 18, 1943. By presenting several psychological reports, he succeeded in having his trial repeated. He was sentenced to five years in prison on September 14, 1944, and escaped from prison in the spring of 1945. In 1945 Krauss became a member of the Communist Party of Germany. Although he was reinstated in Marburg and promoted to full professor, he still found Nazi sympathizers in the university; his application for compensation was rejected and his book of essays was banned by the U.S. military administration. Thus, in 1947, he moved to the Soviet Occupation Zone and became chair of the Romance Institute at the University of Leipzig. See: “Werner Krauss,” Gedenkstätte Deutscher Widerstand, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss und die Romanistik im NS-Staat (Argument Verlag: Hamburg 1996); from here, unfortunately, everything is excruciatingly tedious and slow. What has become of the remaining comrades of the former Romance department staff? Do you know anything about Honsberg 22Eugen Honsberg, b. 1906, German Germanist and probably killed on the Eastern Front, Blackert 33Hermann Blackert, German Romance scholar who earned his doctorate under Auerbach. He fell in the war against the Soviet Union, Janik 44G. Janik was supervised as an extracurricular assistant to Auerbach in conducting the Italian language courses, Viebrock 55Helmut Viebrock (1912-1997), German Anglicist?

We did well against all odds; the new order did not penetrate all the way to the straits; that really says it all. We lived in our apartment and suffered nothing but minor inconveniences and fear: until the end of 1942 it looked very bad, but then the cloud gradually receded. Our son Clemens 66Clemens Auerbach (1923-2002) received his Ph.D. in chemistry from Harvard University in 1951 and was an assistant professor at the University of Buffalo from 1953-1956; then researched and taught analytical chemistry, especially in the field of safeguarding nuclear materials at Brookhaven National Laboratory, N.Y. attended the local American college, and then we worked for several years to send him to USA as an immigrant; there was no other possibility. Finally it succeeded, and for a year he has been studying chemistry at Harvard; the separation was somewhat bitter, especially for my wife, because the prospects of reuniting in the foreseeable future [handwritten addition at the bottom of the page: are quite uncertain]. I have done a lot of work, although I lacked the most important books; you will probably see some of them in time; so far little has been printed, but this fall several things are to appear at once. I am very curious about Krauss’ last writings, but it seems that printing is not yet authorized. Why don’t you tell me a little more about your own production, even if it is not in Romance studies? Are you actually in touch with Borkenau 77Franz Borkenau (1900-1957), German sociologist and historian, was in exile in Paris, Spain, and Panama, and professor of history in Marburg from 1945 to 1947., who did end up in Marburg? And on what occasion did you give a talk at Frankfurt University? Do you happen to know how the Romanist Erhard Lommatzsch 88Erhard Lommatzsch (1886-1975), German Romanist and medievalist, Auerbach’s doctoral supervisor. goes? – Among the many amenities of our local shelter (Löwith 99Karl Löwith (1897-1973), philosopher, habilitated with Martin Heidegger in Marburg in 1928. Exile: From 1934 to 1936 with a Rockefeller scholarship in Rome, from there on invitation of Leo Spitzer on a lecture tour to Istanbul to explore chances for a professorship. In 1936, he emigrated to Japan, where he was professor of philosophy at the Imperial Tohoku University in Sendai until 1941. In 1941, Löwith emigrated to the United States, where he was professor of philosophy and history of religion at Hartford Theological Seminary, Conn. until 1949, and at the New School for Social Research in New York from 1949 to 1952. He returned to Germany in 1952 and taught philosophy in Heidelberg until his retirement in 1964. once wrote to me, still from Japan: warm greetings from rooftop to rooftop) is one of the most important that we share it with a whole number of comrades of misfortune, emigrants of the most diverse categories, mostly also at the university, among them very clever and sympathetic ones. We really did not fare badly, except that we became quite poor; I was not able to bring out reserves at that time, the salary 1010According to contract agreements of Aug. 19, 1936, with Cemil Bilsel, the rector of Istanbul University, Auerbach received a monthly salary of 450 Turkish pounds, see: State Archives Marburg, Sign. 310, Acc. 1978/15, No. 2261 is very devalued, and Clemens’ expedition and study over there is also a financially difficult undertaking, so that gradually all valuables are going, even part of my books. But these are bourgeois worries… We have not become Turks, not even legally, now we are again “passportless Germans”; everything is provisional. At the university we have achieved some things, but by far not as much as would have been possible; the uncertain and often amateurish policy of the administration makes work very difficult, although it must be admitted that it does not have it easy; I have learned here how difficult it is to Europeanize a non-European country in a short time; the danger of practical and moral anarchy is very great.

So, now write again soon. My wife sends her warmest regards, and I am with the best wishes for you and yours.

Your Erich Auerbach

    Footnotes

  • 1Meant are the physical and mental health damages Werner Krauss suffered in Gestapo custody. From 1931 to 1940, Krauss was a teacher and then a lecturer at Erich Auerbach’s Romance Seminar at the University of Marburg. In 1940 he was called up to Berlin as an interpreter. There he came into contact with John Rittmeister, whom he had known since 1926. Rittmeister had close relations with Harro Schulze-Boysen and participated in the work of the “Red Orchestra” resistance group. On many occasions he supported their illegal activities, for example, in the leaflet action of May 17-18, 1942, against the Nazi propaganda exhibition “The Soviet Paradise.” Werner Krauss was arrested on November 24, 1942, and sentenced to death on January 18, 1943. By presenting several psychological reports, he succeeded in having his trial repeated. He was sentenced to five years in prison on September 14, 1944, and escaped from prison in the spring of 1945. In 1945 Krauss became a member of the Communist Party of Germany. Although he was reinstated in Marburg and promoted to full professor, he still found Nazi sympathizers in the university; his application for compensation was rejected and his book of essays was banned by the U.S. military administration. Thus, in 1947, he moved to the Soviet Occupation Zone and became chair of the Romance Institute at the University of Leipzig. See: “Werner Krauss,” Gedenkstätte Deutscher Widerstand, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss und die Romanistik im NS-Staat (Argument Verlag: Hamburg 1996)
  • 2Eugen Honsberg, b. 1906, German Germanist and probably killed on the Eastern Front
  • 3Hermann Blackert, German Romance scholar who earned his doctorate under Auerbach. He fell in the war against the Soviet Union
  • 4G. Janik was supervised as an extracurricular assistant to Auerbach in conducting the Italian language courses
  • 5Helmut Viebrock (1912-1997), German Anglicist
  • 6Clemens Auerbach (1923-2002) received his Ph.D. in chemistry from Harvard University in 1951 and was an assistant professor at the University of Buffalo from 1953-1956; then researched and taught analytical chemistry, especially in the field of safeguarding nuclear materials at Brookhaven National Laboratory, N.Y.
  • 7Franz Borkenau (1900-1957), German sociologist and historian, was in exile in Paris, Spain, and Panama, and professor of history in Marburg from 1945 to 1947.
  • 8Erhard Lommatzsch (1886-1975), German Romanist and medievalist, Auerbach’s doctoral supervisor.
  • 9Karl Löwith (1897-1973), philosopher, habilitated with Martin Heidegger in Marburg in 1928. Exile: From 1934 to 1936 with a Rockefeller scholarship in Rome, from there on invitation of Leo Spitzer on a lecture tour to Istanbul to explore chances for a professorship. In 1936, he emigrated to Japan, where he was professor of philosophy at the Imperial Tohoku University in Sendai until 1941. In 1941, Löwith emigrated to the United States, where he was professor of philosophy and history of religion at Hartford Theological Seminary, Conn. until 1949, and at the New School for Social Research in New York from 1949 to 1952. He returned to Germany in 1952 and taught philosophy in Heidelberg until his retirement in 1964.
  • 10According to contract agreements of Aug. 19, 1936, with Cemil Bilsel, the rector of Istanbul University, Auerbach received a monthly salary of 450 Turkish pounds, see: State Archives Marburg, Sign. 310, Acc. 1978/15, No. 2261

Erich Auerbach was a German Romance philologist, literary and cultural scholar. As for countless others, his career in Germany was ended prematurely due to the racist “Law for the Restoration of the Professional Civil Service,” ratified on April 7, 1933, which aimed at both the removal of Jewish civil servants and the dismissal of political “dissidents.” Since the so-called Frontkämpferprivileg (Privilege of Combatants) applied to him and he additionally even swore an “oath of loyalty of German civil servants” to Adolf Hitler in 1934, he lost his chair of Romance philology at the University of Marburg “only” at the end of 1935. 11All information according to the file Erich Auerbach in the State Archives Marburg Sign. 310, Acc 1978/15, No. 2261. cited in: Martin Vialon: Erich Auerbach. On the Life and Work of the Marburg Romance Scholar in the Time of Fascism. In: Jörg Jochen Berns (ed.): Marburg-Bilder. A Matter of Opinion. Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten (= Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, 52 (vol. 1), 53 (vol. 2)). Rathaus-Verlag, Marburg 1996, pp. 394-395. More than foreseeable, however, he contacted colleagues in Italy, England, and other places already in the course of 1935 in order to find a suitable position, even far below the rank of professor. Thanks to the interdenominational and anti-racist self-help organization “Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland,” founded in 1933 22Johannes Feichtinger: Wissenschaft zwischen den Kulturen. Österreichische Hochschullehrer in der Emigration 1933-1945. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2001, p. 71. which from 1933 onward focused on emigration to Turkey, he finally followed the call to the İstanbul Üniversitesi. The latter had been founded in 1933 as part of the Kemalist program of Westernization and modernization, and one of its tasks was to recruit experts. In this way, several hundred German intellectuals and their families emigrated to Turkey, especially to the urban centers of Istanbul and Ankara, where they became involved in the work of the universities and ministries. Since Auerbach’s hopes of returning to a chair at a German university remained unfulfilled, he emigrated from Turkey to the United States in 1947, where he continued his academic career. He is still one of the most important representatives of his field today. His main work, written in Istanbul between 1942 and 1945, Mimesis: The Representation of Reality in Western Literature is one of the fundamental works of German Romance studies.

After the end of the war, Auerbach resumed contact with Martin Hellweg (1908-?). Hellweg had been Auerbach’s student in his Marburg days and, from Auerbach’s ouster in October 1935, assistant to his successor and resistance activist Werner Krauss. 22From 1931 to 1940 Krauss was first a lecturer and then a lecturer at Erich Auerbach’s Romance Department at the University of Marburg. In 1940 he was called up to Berlin as an interpreter. There he came into contact with John Rittmeister, whom he had known since 1926. Rittmeister had close relations with Harro Schulze-Boysen and participated in the work of the “Red Orchestra” resistance group. On many occasions he supported their illegal activities, for example, in the leaflet action of May 17-18, 1942, against the Nazi propaganda exhibition “The Soviet Paradise.” Werner Krauss was arrested on November 24, 1942, and sentenced to death on January 18, 1943. By presenting several psychological reports, he succeeded in having his trial repeated. He was sentenced to five years in prison on September 14, 1944, and escaped from prison in the spring of 1945. In 1945 Krauss became a member of the Communist Party of Germany. Although he was reinstated in Marburg and promoted to full professor, he still found Nazi sympathizers in the university; his application for compensation was rejected and his book of essays was banned by the U.S. military administration. Thus, in 1947, he moved to the Soviet Occupation Zone and became chair of the Romance Institute at the University of Leipzig. See: “Werner Krauss,” German Resistance Memorial Center, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss and Romance Studies in the Nazi State (Argument Verlag: Hamburg 1996). A relationship based on trust connected Auerbach and Hellweg. On behalf of his mentor, Hellweg visited, for example, at the end of September 1935, the cultural critic Walter Benjamin, who was living in poor conditions in Montparnasse, 23, rue Bénard, and who, like many others, had fled from Nazi persecution into exile in Paris in 1933, in order to hand over money to the latter as Auerbach’s confidential messenger. Due to the National Socialist reorientation of Marburg’s Romance studies after Auerbach’s escape, Hellweg renounced a university career and worked as a high school teacher. In September, as a result of the German attack on Poland, he was drafted into the Wehrmacht and in 1941 was transferred to an intelligence unit on the Eastern Front because of his knowledge of Russian. In 1945, after a brief spell as an English prisoner of war, Hellweg returned to Fulda, where he resumed his teaching career at a Gymnasium. It was not until the early 1970s that he was able to resume his earlier university career at the University of Freiburg i. Br. where he taught methodology and didactics of modern language teaching as well as English studies. 33For more on Martin Hellweg, see Martin Vialon (ed.), Erich Auerbach’s Letters to Martin Hellweg (1939-1950). Edition and historical-philological commentary. Basel: Francke, 1997. pp. 18-32.

    Footnotes

  • 1All information according to the file Erich Auerbach in the State Archives Marburg Sign. 310, Acc 1978/15, No. 2261. cited in: Martin Vialon: Erich Auerbach. On the Life and Work of the Marburg Romance Scholar in the Time of Fascism. In: Jörg Jochen Berns (ed.): Marburg-Bilder. A Matter of Opinion. Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten (= Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, 52 (vol. 1), 53 (vol. 2)). Rathaus-Verlag, Marburg 1996, pp. 394-395.
  • 2From 1931 to 1940 Krauss was first a lecturer and then a lecturer at Erich Auerbach’s Romance Department at the University of Marburg. In 1940 he was called up to Berlin as an interpreter. There he came into contact with John Rittmeister, whom he had known since 1926. Rittmeister had close relations with Harro Schulze-Boysen and participated in the work of the “Red Orchestra” resistance group. On many occasions he supported their illegal activities, for example, in the leaflet action of May 17-18, 1942, against the Nazi propaganda exhibition “The Soviet Paradise.” Werner Krauss was arrested on November 24, 1942, and sentenced to death on January 18, 1943. By presenting several psychological reports, he succeeded in having his trial repeated. He was sentenced to five years in prison on September 14, 1944, and escaped from prison in the spring of 1945. In 1945 Krauss became a member of the Communist Party of Germany. Although he was reinstated in Marburg and promoted to full professor, he still found Nazi sympathizers in the university; his application for compensation was rejected and his book of essays was banned by the U.S. military administration. Thus, in 1947, he moved to the Soviet Occupation Zone and became chair of the Romance Institute at the University of Leipzig. See: “Werner Krauss,” German Resistance Memorial Center, https://www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/werner-krauss/?no_cache=1; Peter Jehle, Werner Krauss and Romance Studies in the Nazi State (Argument Verlag: Hamburg 1996).
  • 3For more on Martin Hellweg, see Martin Vialon (ed.), Erich Auerbach’s Letters to Martin Hellweg (1939-1950). Edition and historical-philological commentary. Basel: Francke, 1997. pp. 18-32.

Letters and footnotes from Martin Vialon (Hrsg.), Erich Auerbachs Briefe an Martin Hellweg (1939–1950). Edition und historisch-philologischer Kommentar. Basel: Francke, 1997. S. 69–76. English translation: We Refugees Archive Team.